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Kategorie: Allgemeine Psychologie
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Was HERMANN EBBINGHAUS (1850-1909) über die Psychologie im allgemeinen sagte, gilt wohl auch für die Motivationspsychologie im besonderen : " Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, aber eine kurze Geschichte".

Seit den Anfängen der wissenschaftlich betriebenen Psychologie vielen Fragen zur Notivation in unterschiedlichen Zusammenhängen an.
Durch die philosophischen und theologischen Wurzeln wurde der Wille gerene als Institution der moralischen Norm und Pflicht angesehen, der sich gehgen niedere Tendenzen wie Instinkte, Triebe, oder Bedürfnisse durchzusetzen hatte.

Noch um die Jahrhundertwende bezogen sich die Motivationsprobleme im wesentlichen auf den Willensakt (Entscheidung) und die Willenshandlung (Steuerung einer Aktion).Der Wille hat als wissenschaftlicher Begriff an Bedeutung verloren, während Begriffe wie Triebe und Bedürfnisse den Charakter des animalischen abgelegt haben.

Erst 1936 erschien im englischsprachigen Raum das erste Buch, das den Begriff Motivation im Titel führte : P. T. YOUNG "Motivation and Behavior". Jetzt waren es nicht meht Willensakte sondern Bedürfnisse und Tendenzen, die den Zugang zum Handeln und dessen Ausführung bestimmten.
Gegenwärtig ist die Motivationsforschung noch weit davon entfernt, in ihren Fragestellungen, Variablen, Theorien und Methoden ein einheitliches Forschungsgebiet zu bilden.

Die Generation der Pioniere (S. 20-23)

" Der Mensch als vernunftbegabtes Lebewesen trifft seine Entscheidungen als freien Willensakt. Das Tier als niederes Instinkswesen wird von seinen Trieben gesteuert."

Dieser Dualismus der Verhaltenserklärung brach mit DARWINs (1809-1882) Buch über den Ursprung der Arten (1859) allmählich zusammen.
Neben diesem Durchbruch einer deterministischen Geisteshaltung wurden vor allem drei Überzeugungen maßgebend.
Erstens, wenn zwischen Menschen und Tieren keine Wesenskluft, sondern ein gradueller Übergang besteht, müssen Erklärungen für Tierisches Verhalten auch einen gewissen Erklärungswert für das menschliche Verhalten haben.

MC DOUGALL machte aus diesem Grund die Instinkte zum hauptsächlichen Erklärungsbegriff (1908). Er begründeteden instinkttheoretischen Strang der Motivationsforschung.

Zur gleichen Zeit war FREUD damit beschäftigt, Licht in irrational erscheinende Phänomene wie Trauminhalte (1900) und das Verhalten neurotischer Patienten (1915) zu bringen und auf eine verborgene Triebdynamik zurückzuführen. Damit begründete er einen wesentlichen Teil des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs der heutigen Motivationsforschung.

Zweitens, Intelligenz, die Fähigkeit aus Erfahrung zu lernen, mußte in hohem Maße eine arterhaltene Funktion besitzen, weil sie schnelle Anpassung an veränderte Umweltbedingungen ermöglichte.

So entstand in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Vergleichende Psychologie aus dem Bemühen , artspezifische Intelligenzleistungen festzustellen und miteinander zu vergleichen. THORNDIKE (1874-1949) war einer der Pioniere der sich allmählich entwickelnden experimentellen Lernforschung.

Der russische Physiologe PAWLOW eröffnete um die Jahrhundertwende neben THORNDIKE eine weitere Linie der experimetellen Lernforschung, die bis heute einen Teil der Motivationsforschung beeinflußt.

PAWLOW und THORNDIKE haben das geknüpft, was man den assoziationstheoretischen Strang der Motivationsforschung nennen kann. Es handelt sich in beiden Fällen um Änderung der Reiz-Reaktions-Assoziationen. Im Falle THORNDIKEs werden Reaktionen durch andere, erfolgreichere ersetzt - das operante oder instrumentelle Konditionieren. Im Falle PAWLOWS werden ursprünglich reaktionsauslösende (reflexauslösende) Reize durch anere, vormals neutrale Reize ersetzt - klassische Konditionierungroblemstrangs der heutigen Motivationsforschung. Damit hat THORNDIKE die lernpsychologische Linie und PAWLOW die aktivierungspsychologische Linie des assoziationstheoretischen Strangs begründet .

Drittens, Innerhalb einer Art muß es stets Individuen geben, die etwas besser als die anderen im Kampf ums Überleben ausgestattet sein müssen. Diese Schlußfolgerung lenkte das Interesse auf individuelle Unterschiede und deren diagnostische Erfassung.

GALTON (1822-1911), ein Vetter DARWINS, stellte unter erbpsychologischen und eugenischen Gesichtspunkten vielerlei Erhebungen an. Er gehörte zusammen mit Binet (1857-1911), der im staatsauftrag die ersten Intelligenztest entwickelte, zu den Begründern der psychologischen Testbewegung.

Erst ab den dreißiger Jahren fand diese Bewegung über ALLPORT (1937), MURRAY (1938) und CATTEL (1950) Eingang in den persönlichkeitstheoretischen Strang der Motivationsforschung.

Relativ unbeeinflußt entwickelte Wundt (1832-1920) die Psychologie als eine akademische Disziplin, die Willenshandlungen als zentrales Thema aufgriff. ACH (1871-1946) und unabhängig von ihm der Belgier MICHOTTE (1881-1965) gelten als die Begründer einer experimentellen Willenspsychologie.

Bezieht man die drei Problembereiche der Motivationsforschung, nämlich Motiv, Motivation und Volition auf die fünf Stränge, so ist nur der Problembereich Motivation in allen fünf Strängen vertreten. Der Begriff Motiv wird nur im persönlichkeitstheoretischen Strang aufgegriffen und Volition ist nach der frühen und kurzen Blüte der experimentellen Willenspsychologie als Problem gänzlich verschwunden.


Willenspsychologischer Problemstrang (S. 23-28)

Seit den Schriften Platons und Aristotels folgt man gern einer Trias (Dreiheit) der Psychologischen Sachverhalte.

Vielfach wurde versucht das Wollen auf Erkennen oder fühlen zurückzuführen, und damit den Begriff des Wollens verzichtbar zu machen.

Am radikalsten ist hierbei DAVID HUME (1711-1776) vorgegangen, für ihn handelte es sich beim Wollen um Erfahrungs- und Assoziationprodukt unserer Vorstellung und war somit nicht relavant.

Weniger radikal waren heterogenische Willenstheorien: Sie leugneten das Phänomen des Wollens nicht, führten sie aber auf andere Erscheinungen und Sachverhalte. Vertreter z.B. KÜLPE, EBBINGHAUS

Dagegen vertrat die autogenische Willenstheorie die Meinung, daß der Wille als solcher besteht und sich nicht auf andere Erscheinungen zurückführen läßt. Vertreter : z.B. WUNDT MIERKE hat in seinem Buch Wille und Leistung 1955 den Willensbegriff für eine lange Zeit zum letztenmal aufgegriffen.

Inzwischen gewinnt der volitionstheoretische Ansatz (Würzburger Schule) wieder an Aktualität. Dazu gehört auch der Willensakt, die Bildung einer Intention, der Übergang von der Motivationsphase in die Volitionsphase und die Initiierung der intendierten Handlung.

Isbesondere unter dem Aspekt der Handlungskontrolle gewinnt der Begriff des Willen seit kurzem wieder an Bedeutung. So hat KUHL (1983) individuelle Unterschiede in der Fähigkeit entdeckt, eine in der Realisierung befindliche Absicht gegen andere konkurierende Absichten oder gegen eine Beschäftigung mit einer Fehlgeschlagenen Tätigkeit abzuschirmen.


Instinkttheoretischer Problemstrang (S. 28-30)

Schon WILLIAM JAMES hat Instinkt als einen Erklärungsbegriff übernommen. Er betont die auslösenden Reizbedingungen, die aufgrund vorgegebener nervöser Strukturen im Lebewesen zu einem automatischen Verhaltensablauf führen, der weder vorheriges Lernen voraussetzt noch die Voraussicht eines zu erreichenden Zielzustandes zum Inhalt hat.

WUNDT (1883) vermutete einen engen Zusammenhang zwischen Instinkt, Trieb und Zielgerichtetem Verhalten, denn für ihn gingen Instinkhandlungen auf frühere Willenshandlungen zurück, die sich inzwischen Mechanisiert haben.

Der eigentliche Wegbereiter instinktheoretischer Erklärungen innerhalb der Motivationsforschung war der Angloamerikaner William MCDOUGALL (1871-1938) Sein Erklärungskonstrukt ist sehr komplex.

Instinkte sind angeboren, sie haben antreibende (energetisierende) und steuernde Funktion, sie enthalten in einer geordneten Abfolge prädisponierte Prozesse der Wahrnehmungsverarbeitung (kognitiv), der emotionalen Erregung (affektiv) und der motorischen Handlungsbereitschaft (konativ).

MCDOUGALL ist in direkter Linie der Vorläufer einer Forschungsrichtung, die das Instinktverhalten einer schärferen Funktionsanalyse unterwarf und damit die Vergleichende Verhaltensforschung oder Ethologie begründet.

Einer der bedeutensten Forscher dieses Bereiches ist KONRAD LORENZ. Er griff die Instinkttheorie MCDOUGALLs auf und grenzte das Instinktverhalten auf eine ererbte Bewegungskoordination ein. Aufsehen hat seine Entdeckung erregt, daß für bestimmte Instinkthandlungen (Nachfolgeverhalten von Graugänse) während kurzer sensibler Phasen der frühen Ontogenese beliebige Objekte zu auslösenden Schlüsselreizen werden können. (Prägung).

Die Ethologie steht heute außerhalb der psychologischen Motivationsforschung. Sie findet jedoch zunehmend wieder Beachtung, weil sie in zwei Punkten das Interesse von Motivationsforschern auf sich zieht. Zum einen durch ihre sicherlich berechtigte Kritik an den Laborexperimenten der Lernpsychologie (mangelnde Validität) zum anderen gibt es vermehrt Versuche ethologische Befunde auf menschliches Verhalten zu Übertragen. (EIBL-EIBESFELD, 1973,1984)


Persönlichkeitstheoretischer Problemstrang (S. 30-41)

Die Probleme dieser Linie werden ausschließlich humanpsychologisch angegangen. Motivation wird als Schlüsselbereich zum Verständnis der Persönlichkeit als solche oder zum Verständnis interindividueller Unterschiede angesehen.
Motivation wird auch als Prozeß untersucht, der aktuelles Verhalten erklären soll. (motivations- und kognitionspsychologische Linie.

Als einer der Pioniere gilt FREUD (1856-1939). Ihm ging es um die Erklärung unverständlich erscheinender Verhaltensweisen durch klinische Beobachtung sowie Verfahren zur Provokation und Deutung ausgefallener Bewußtseinsinhalte. Dazu benutzte er Hypnose, Traumdeutungen, freie Assoziationen. Er war überzeugt, daß verborgene nicht-bewußte Prozesse unser Handeln lenken. Freud sah im Unbewußten Triebe in einer biologisch-vitalen Triebdynamik. Im Bewußtsein sah er bruchstückhafte Abkömmlinge einer ununterbrochenen Tätigkeit des Unbewußten.

Es sind die inneren Reize mit denen der psychische Apparat fertig werden muß. FREUDs Motivationsmodell stellt sich als Triebreduktionsmodell dar. Der Organismus ist umso mehr im Gleichgewicht, je niedriger der angestaute Triebreizpegel ist. Jede Verminderung führt zu Lustgefühlen jede Erhöhung zu Unlustgefühlen. Das Seelenleben ist somit ein dynamisches Konfliktgeschehen. Sein hauptsächliches Forschungsinteresse galt primär dem Sexualtrieb. Einige wesentliche Punkte aus FREUDs Theoriengebäude.

Triebimpulse äußern sich auf unterschiedliche Art und Weise. Fehlt bei hohem Triebintensität ein Triebobjekt zur Befriedigung, so machen sich die unerfüllten Triebwünsche als Vorstellungen früherer Trieberfüllungen im Bewußtsein bemerkbar.

Das Seelenleben ist ein ständiger Konflikt zwischen widerstreitenden Tendenzen innerhalb der Person. Diese Tendenzen verteilt Freud auf drei Instanzen.

Die erwachsene Perönlichkeit ist ein Ergebnis von Triebschicksalen während der Kindheit. Mit Hilfe psychoanalytischer Therapieverfahren können die Anlässe frühkindlicher Entwicklungsstörungen wiederaufgegriffen und dann "wiederaufgearbeitet" werden.

Die Triebentwicklung durchläuft verschiedene psychosexuelle Phasen, die jeweils eine bestimmte erogene Zone dominiert.

Die Triebentwicklung kann in einer Phase steckenbleiben (Fixierung)

Ödipuskomplex: Das Kind möchte zum gegengeschlechtlichen Elternteil sexuelle Beziehungen aufnehmen und sieht sich dabei vom gleichgeschlechtlichen Elternteil bedroht. (Kastrationsangst)

Als Perönlichkeitstheoretiker weitaus ergiebiger und erfolgreicher war KURT LEWIN (1890-1947) und zwar nicht in einem differentiel- sondern einem allgemeinpsychologischen Sinne. Mit seinen Schülern stellte er zahlreiche Untersuchungen zur Handlungs- und Affektpsychologie an.

Einige seiner experimentalisierten Sachverhalte, wie etwa der Ersatzwert von alternativen Tätigkeiten für eine unerledigte Handlung, haben eine unmittelbare Problemnähe zu Freuds Theorieansätzen. In einer Feldtheorie setzt er die psychologischen Kräfte als Vektoren an. Sie gehen von Objekten und Regionen der Umwelt aus , die einen Aufforderungscharakte (Valenz) haben. Diese Kräfte wirken sich auf die Person aus und determinieren ihr Handeln.

LEWINs Bestreben war darauf gerichtet, eine bestehende psychologische Gesamtsituation (Lebensraum), in einer vereinheitlichten Weise als Momentaufnahme eines Kräftespiels und in Begriffen einer allgemeinen Dynamik festzuhalten.

Letztlch ist für FREUD wie für LEWIN die Wiederherstellung eines gestörten Gleichgewichts das tragende Motivationsprinzip. Handeln wird grundsätzlich als eine Funktion von Person und wahrgenommener Umgebung erklärt: als allgemeine Verhaltensgleichung:

V=f(P,U)

Von Lewin beeinflußt verzweigen sich die Einflußlinien :


Motivationspsychologische Linie (S. 33-37)

Im Bemühen, mehr Klarheit in arbeitspsychologische Befunde zu Arbeitsplatzzufriedenheit und Arbeitsleistung hineinzubringen entwickelte VROOM (1964) die sogenannte Instrumentalitästheorie. Der Grundgedanke ist so einfach wie einleuchtend.

Handlungen haben in der Regel eine Reihe von Folgen, die für den Handelnden positive oder negative Anreizwerte von unterschiedlicher Stärke haben.

I Die Handlungs-Ergebnis-Folgen werden durch Vorstellungen vorweggenommen und motivieren so den Handelnden.

In der Instrumentalitätstheorie müssen zunächst individuelle Valenzen (Lewins Aufforderungscharaktere) der subjektiv möglichen Folgen des eigenen Handelns erfaßt und jeweils mit der sogenannten Instrumentalität multipliziert werden.

Dabei bezeichnet die Instrumentalität den Grad der Erwartung, daß ein Handlungsergebnis die entsprechende Folge nach sich zieht. Die Summe aller dieser Produkte von Valenz und Instrumentalität aller Einzelfolgen ergibt eine instrumentalitätsgewichtete Gesamtvalenz eines möglichen Handlungsergebnisses, das dann den Handelnden motiviert.

Die Instrumentalitätstheorie ist demnach eine ausdifferenzierte Form des Erwartungs-mal-Wert-Modells wie es von LEWIN und TOLMAN in der Grundform konzipiert wurde.

Von MURRAY vorbereitet gelang MCCLELLAND und ATKINSON Anfang der fünfziger Jahre ein Durchbruch : nämlich die genauere Eingrenzung eines einzelnen Motivs, des Leistungsmotivs ; die Entwicklung eines validen Verfahrens zur Messung individueller Unterschiede auf der Grundlage des von Murray entwickelten Thematischen Auffassungstests (TAT).

Atkinson (1957,1964) entwickelte auch ein formalisiertes Motivationsmodell -das Risiko-Wahl-Modell. Einerseits präzisierte er die Erwartungskomponente unter den McClellandschen Postulaten, indem er sie als subjektive Wahrscheinlichkeit von Erfolg, also der Zielerreichung definierte (We); andererseits verknüpfte er dies multiplikativ mit dem Anreiz des Erfolgs (Ae), der Zielerreichung.

Das Erwartungs-mal-Wert Produkt WexAe würde Entscheidungen völlig rationaler Menschen voraussetzen. Aus diesem Grund tat Atkinson einen wesentlichen Schritt nach vorne, indem er individuelle Motivunterschiede berücksichtigte. Er fügte dem Produkt von Erfolgswahrscheinlichkeit und Erfolgsanreiz noch eine Dispositionsvariable hinzu : das Motiv, Erfolg zu erzielen (Me).

Somit läßt sich die aktuelle Motivationstendenz (Te) vorhersagen, wenn subjektive Wahrscheinlichkeit von Erfolg (We), Anreiz des Erfolgs (Ae) und das Motiv Erfolg zu erzielen (Me) bekannt sind:

Te = Me x Ae x We


Kognitionspsychologische Linie (S. 37-39)

Auch die kognitionspsychologische Linie nimmt von Lewin ihren Ausgang. Diese Linie vertritt die Auffassung, daß Kognitionen über die gegenwärtige Lage eine Motivation entstehen lassen oder vorhandene Motivationen beeinflussen.

Es sind also Unausgewogenheiten, Widersprüche, Unverträglichkeiten im kognitiv Repräsentierten, die motivieren. Eine Reihe von Erklärungsansätzen sind entwickelt worden. Damit kommt der Vernunftbegriff in die Motivationsforschung zurück, der seit Darwin zunehmend daraus verdrängt schien.

Eine der Konsistenztheorien ist die von FRITZ HEIDER (1946,1960) entworfene Theorie der kognitiven Ausgewogenheit (cognitive balance). Danach können Beziehungen zwischen Gegenständen oder Personen ausgewogene oder unausgewogene kognitive Konfigurationen darstellen.

Bsp. von HEIDER anhand einer tiradischen Personenbeziehung :

Dieser Bruch der Einheitsbildung motiviert Person 1 zur Herrstellung einer Ausgewogenheit. Dadurch käme die Konfiguration der Beziehungen wieder zu einer guten Gestalt.

Eine andere Konsistenztheorie ist die Theorie der kognitiven Dissonanz von LEON FESTINGER (1957, 1964).

Eine solche Dissonanz entsteht, wenn mindestens zwei selbstwertrelevant Kognitionseinheiten sich nicht in Übereinstimmung bringen lassen. Das führt zu einer Motivation die enstandene Dissonanz zu verringern, was duch Veränderung des Verhaltens, Änderung der dissonanten Kognitionen oder durch Suche nach neuen Informationen und Überzeugungen erreicht werden kann.

Die kognitionspsychologische Linie, wird im wesentlichen von Sozialpsychologen verfolgt. Im Vordergrund der Verhaltenserklärunungen stehen verschiedenartige Situationsfaktoren sowie Einstellungen als Personenfaktoren.


Persönlichkeitspsychologische Linie (S. 39-41)

In den dreißiger Jahren trat eine Persönlichkeits-Bewegung hervor. Wortführer war der deutsche Psychologe WILLIAM STERN (1871-1938) der 1935 eine "Allgemeine Psychologie auf personalistischer Grundlage" veröffentlichte.
Er ist somit ein Begründer der differentiellen Psychologie, die mit Hilfe psychometrischer Verfahren Merkmalsunterschiede zwischen Menschen untersucht. Sein zentraler Erklärungsbegriff waren Eigenschaften, die er in treibende (Richtungsdispositionen) und instrumentelle (Rüstungsdispositionen) unterteilte. Die treibenden Eigenschaften (Richtungsdispositionen) besitzen motivationalen Charakter.

STERNs einflußreichster Schüler war G.W.ALLPORT (1879-1967) . Er hat die STERNschen Grundauffassungen aufgegriffen und fortentwickelt. Deutsche Verstehenspsychologie, MCDOUGALLSCHER Dynamismus und amerikanischer Empirismus mischen sich zu einem Plädoyer, die individuelle Person als unverwechselbares System aufzufassen, das ständig in Entwicklung und Zukunftsorientiert ist.

Nach ALLPORTs Überzeugung kann man dem nicht nomothetischen Verfahren gerecht werden, sondern nur mit idiographischen. Bekannt geworden ist ALLPORTs Prinzip der funktionalen Autonomie der Motive. Es wendet sich gegen alle Theorien, Motive des Erwachsenen etwa auf frühkindliche Triebschicksale (Freud) oder auf bestimmte Klassen von Instinkten oder Bedürfnissen zurückzuführen.

Diese Orientierung hat sich in den USA vor allem in der Humanistischen Psychologie fortgesetzt. Hauptvertreter ist ABRAHAM MASLOW (1908-1970).
Maslow postulierte eine Hierarchie der Bedürfnisse. Niedere Bedürfnisse müssen zuvor befriedigt werden, ehe höhere Bedürfnisse zum Zuge kommen.

Schließlich ist noch eine Richtung unter den Eigenschaftstheoretikern zu nennen, die mit dem gesamten Aufwand multivariater Erhebungs- unsd statistischer Analysetechniken zu Werke geht. Ihr Vertreter ist der Britisch-Amerikaner R.B. CATELL (1957,1965,1974) CATTELs Lehrer war SPEARMAN, der zu den Begründern der Faktorenanalyse gehört. Mit Hilfe faktorenanalytischer Verfahren hat CATTEL ein komplexes Beschreibungssystem von Persönlichkeitseigenschaften konstruiert. Er stützt sich dabei fast ausschließlich auf die Interkorrelationen von Daten aus thematisch weit gestreuten Fragebögen und Tests.  Unter den dabei sich "ausfällenden" Beschreibungsdimensionen (Faktoren) sind auch drei Arten denen er motivationalen Charakter zuschreibt :

Einstellungen (attitudes), Werthaltungen (sentiments) und Triebe (ergs).

Assoziationstheoretischer Problemstrang (S. 41-53)

Der Assoziationstheoretische Problemstrang der Motivationsforschung läßt sich mit THORNDIKE und PAWLOW in zwei Linien aufteilen, in die lernpsychologische und die aktivierungspsychologische Linie.

Es war Herbert Spencer (1820-1903), der auf den Gedanken kam, daß im Laufe der Entwicklungsgeschichte Lustgefühle mit solchen Verhaltensweisen gekoppelt worden sein müssen, die einen Überlebenswert haben, also die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt erfolgreich sind.

Lust und Unlust sind demnach keine Zielzustände die um ihrer selbst Willen angestrebt oder vermieden werden, wie vom klassischen Hedonismus postuliert. Sondern vielmehr Begleitumstände, die das Erlernen neuer Verhaltensweisen beeinflussen, indem sie das Auftreten früherer erfolgreivjer Handlungen wahrscheinlicher machen.


Lernpsychologische Linie (S. 42-47)

EDAWARD LEE THORNDIKE (1874-1949) gilt als Begründer der experimentellen Lernpsychologie.

Er arbeite mit Katzen. Er steckte hungrige Katzen in eine Lattenbox (sog. puzzle-bos) und stellte außen Futter auf. Durch Bewegung von bestimmten Hebeln , wozu es bei den nach Futter suchenden Tieren nach einiger Zeit zwangslääufig kommt, öffnet sich das Gatter und die Katze erreicht das Futter. Schon bei der nächsten Wiederholung läßt das Tier, aufgrund der instrumentellen Zielgerichtetheit der Handlung, einen Lerneffekt erkennen.

Die Analogie zu DARWINs Evolutionsgedanken liegt auf der Hand. Auslese durch Versuch und Irrtum. Im "Kampf ums Dasein" überleben nur diejenigen, die sich einer Situation erfolgreich anpassen. THORNDIKE (1898) erklärt dies mit dem Gesetz der Wirkung. Befriedigung - die des Hungers - wurde als Ursache für eine neue Reiz-Reaktions-Verknüpfung für Lernen angesehen und später als Bekräftigung bezeichnet. Mit dem Lernexperiment war gleichzeitig auch ein Motivationsexperiment arrangiert worden. (Das Tier mußte ja vorher "hungrig gemacht" werden) Bestimmte Ereignisse sind nur dann befriedigend, wie das Lebewesen dafür einen Zustand der Bereitschaft besitzt.

Für die Reiz-Reaktions-Verknüpfung führte Thorndike den Begriff habit ein. Habit ist eine Ausführungsgewohnheit die nicht bewußt kontrolliert werden. Es war damals üblich, gerichtetes Verhalten auf Instinkt zurückzuführen. Nach der Instinktkontroverse setzte sich, auf Vorschlag von R.S. WOODWORTH (1869-1962), die Bezeichnung Trieb durch. WOODWORTH tat dann auch den ersten Schritt , zwischen S und R ein hypothetisches Konstrukt einzufügen , nämlich O für Organismus.

Es war jedoch erst EDWARD C. TOLMAN (1886-1959) der in begrifflicher Strenge den hypothetischen Konstruktcharakter der von ihm so genannten intervenierenden Variablen einführte. TOLMAN unterschied erstmals klar zwischen Motivation und Lernen. Lernen war für ihn eine Art Wissenserwerb. Damit Gelerntes aber zur Ausführung kommt, bedarf es der Motivation.

CLARK C. HULL griff TOLMANs Konzeption der intervenierenden Variablen auf.  HULL hat ein umfangreiches deduktives Theriensystem ausformalisiert. In motivationspsychologischer Hinsicht ist er der eigentliche Begründer der Triebtheorie. Aus der Befriedigung eines Bedürfnisses, die S-R-Verknüpfungen fördert, wurde eine Triebreduktion. Auch wurde nun zwischen Trieb und Bedürfnis unterschieden.

Bedürfnis ist ein spezifischer Mangel- oder Störungszustand im Organismus (wie Hunger, Durst oder Schmerz) der einen unspezifischen Trieb von bestimmter Stärke und mit verhaltensaktivierender Funktion hervorruft. Hulls letzte Fassung seines Theorienssystems (1952) postuliert eine multiplikative Verknüpfung von Trieb (D) und Anreiz (K). Zum anderen Teil wird das Verhalten durch eine assoziative Komponente bestimmt, welche darüber entscheidet, welche der vorliegenden S-R-Verknüpfungen (habits,SHR) bei den vorliegenden Stimuli ausgeführt werden. Die Stärke der Gewohnheit SHR ist abhängig von Anzahl und Verzögerung der vorhergehenden Bekräftigungen. Das Produkt bestimmt die Verhaltenstendenz das sogenannte reaction-evocation-potential - SER.

HULLs Konzeption von 1943:

Einer der Schüler und Mitarbeiter HULLs war KENNETH W. SPENCE (1907-1967) der Hulls Lern- und Motivationstheorie in wichtigen Punkten fortentwickelte. Für SPENCE ist der Anreiz ebenso erlernt wie eine Gewohnheit. Entgegen der Konzeption von HULL, der Trieb und Anreiiz multiplikativ verknüpfte, geht SPENCE von einer additiven Verknüpfung aus. Entsprechend formuliert er seine Konzeption des effektiven Reaktionspotentials (E).

SPENCEs Konzeption:

Damit kann auch ein effektiven Reaktionspotentials (E) vorliegen, d.h. etwas gelernt werden, wenn keine Triebstimulation, sondern nur eine Anreizstimulation vorliegt; wenn also das Lebewesen nicht "getrieben", sondern "angezogen" wird. In einem solchen Fall hätten wir es mit einer reinen Anreizmotivation zu tun.

Drei weitere Schüler und Mitarbeiter HULLs waren NEAL E MILLER, JUDSON S. BROWN und O. HOBART MOWRER. MILLER hat ein einflußreiches Modell dse Konflikts entworfen und experimentell untermauert (1944). Weiterhin hat er am Beispiel der Furcht nachgewiesen, daß es erworbene Trieb gibt (1948,1951) und hat die Triebtheorie Hulls erweitertnreizmotivation zu tun.

Triebe können auch wie Reaktionen an bestimmte ursprünglich neutrale Stimuli assoziert werden.

In einem berühmt gewordenen Experiment (1948,1951) waren Ratten in einem weiß gestrichenen Abteil solange schmerzhaften Elektroschocks ausgesetzt, bis sie gelernt hatten einen Durchgang zu einem benachbarten schwarzen Abteil zu öffnen. Nach einiger Zeit zeigten sie schon Furcht wenn sie nur in das weiße Abteil gesetzt wurden auch ohne daß Elektroschocks gegeben wurden. Ursprünglich neutrale Reize waren nun furchterregend, ein Fall klssischen Konditionierens. Furch war erlernt. Sie war außerdem ein Triebzustand. Denn die Tiere lernten nun auch ohne elektrische Schocks neue Fluchtreaktionen, um ins schwarze Abteil zu gelangen.Aus ursprünglich organismisch verankerten Trieben konnten höhere Motive, also erlernte oder sekundäre Motive, abgeleitet werden (vor allem aus der mit Schmerzzuständen verbundenen Furcht).

Ein anderes klassisches Experiment mit Ratten wurde zur Grundlage zu MILLERs (1944) berühmten Konfliktmodell. Bei entsprechend angeregten Triebzuständen wird die Tendenz ein positives Zielobjekt aufzusuchen, oder ein negatives zu meiden umso größer je näher das Ziel ist. Dabei ist die Steigung der Meidungstendenz jedoch stärker (steiler) als der Anstieg der Aufsuchungstendenz.

Im Experiment wurden in eine Zielregion dem Versuchstier gleichzeitig positive (durch Fütterung) als auch negative (z.B. durch Schmerzen) Stimuli assoziert. Bei entsprechender Dosierung des Furcht- und Hungertriebes gibt es für das Tier eine bestimmte Entfernung von der Zielregion wo sich die Gradienten der Meidungs und Aufsuchungstendenz schneiden. Hier kommt es zum Konflikt. Jede weitere Annäherung, läßt die Furcht dominat werden, jedes weitere Zurückweichen den Hunger. Das Tier pendelt hin und her.Entfebenachbarten schwarzen Abteil zu öffnen. Nach einiger Zeit zeigten sie schon Furcht wenn sie nur in das weiße Abteil gesetzt wurden auch ohne daß Elektroschocks gegeben wurden.

Dieses Konfliktmodell hat sich auch für die human-psychologische Konfliktforschung , etwa im Rahmen der Psychotherapie als fruchtbar erwiesen. O. HOBART MOWRER hat sich vor allem mit der Rolle der Furcht bei der Motivierung des Meidungslernens befaßt. Sein bedeutenster motivationstheoretischer Beitrag ist die Einführung von Erwartungsemotionen der Hoffnung und der Furcht, die als Zwischenvariable zwischen Situationsgegebenheiten und Reaktionen vermitteln.

MOWRER hat zunächst die Rolle der Furcht bzw. der Ängstlichkeit geklärt. Er anhm dabei den Gadanken Freuds auf, daß Angst das Signsl für bevorstehende Gefahr ist, somit einen Unlustzustand darstellt und Verhaltensweisen (zur Schmerzvermeidung) aktiviert, um der Gefahr auszuweichen.

Angst hat daraufhin eine Motivationsfunktion. Alle Verhaltensweisen, die die Furcht vermindern werden verstärkt. Als motivationale Prozesse hat er schließlich zwei verschiedene Grundarten der Bekräftigung jeder Verhaltenserklärung zugrundegelegt :

Die Zunahme bzw. Abnahme dieser vier Klassen von Erwartungsemotionen (hoffnung und Enttäuschung, Furcht und Erleichterung) sind nach Mowrer entscheidend welche Verhaltensweise in einer bestimmten Situation ausgewählt und verfolgt und damit bekräftigt, also gelernt wird.

Die Zwischenvariablen (Konstrukte) der lernpsychologischen Verhaltenserklärung vermitteln immer zwischen Situation (Reiz) und Verhalten (Reaktion).
Dabei gibt es jeweils zwei Arten der Zwischenvariablen.

Die eine Art ist eine strukturelle Komponente, die dem Verhalten Richtung, Zielgerichtetheit und Zweckmäßigkeit gibt. Sie repräsentiert ein Lernprodukt

Die eine Art von Zwischenvariable ist eine motivationale Komponente. Sie repräsentiert


Aktivationspsychologische Linie (S. 47-53)

IWAN P. PAWLOW (1849-1936) gilt als Begründer der Reflexologie , der Lehre von den bedingten (konditionierten ) Refelxen, deren Erzeugung später als klassische Konditionierung bezeichnet wurde.

PAWLOW hat vor allem an Verdauungsreflexen schon um die Jahrhundertwende experimentell nachgewiesen, daß ungelernte reflexauslösende Reize ( unkonditionierte, angeborene Stimuli ) durch erlernte ( konditionierte ) ersetzt werden können. Dazu müssen die zu konditionierenden Reize den unkonditionierten zeitlich kurz vorausgehen. (ca 0,5 sec) Hat eine solche Paarung mehrfach stattgefunden, genügt der neue konditionierte Reiz um die betreffende Reaktion auszulösen.

Als Paradebeispiel ist die Speichelsekretion weit über die Psychologie hinaus bekannt geworden: neutraler Reiz - z.B. Glockenton geht unkonditionierter Reiz - Futteraufnahme mehrmals voraus. Der neutrale Reiz wird zum konditionierten Reiz und löst Reaktion aus- Speichelsekretion

Der von ihm geprägte Begriff Bekräftigung ist analog zu dem, was THORNDIKE zur gleichen Zeit mit Befriedigung bezeichnete um das "Gesetz der Wirkung" beim instrumentellen Konditionieren zu erklären.

PAWLOW konnte weiter zeigen, daß ein konditionierter Reiz seinerseits einen bislang neutralen Reiz konditionieren kann, also zu einem Reaktionsauslöser höherer Ordnung machen kann. PAWLOW vermutet in diesem Umstand die Grundlage aller höheren nervösen Tätigkeit.

Pawlow postulierte eine Wechselwirkung zwischen zwei grundlegenden Prozessen, der Erregung und der Hemmung. Der Erregung wird eine Verhaltensaktivierende Form zugeschrieben. Sie hat also im traditionellen Motivationsverständnis eine energetisierende Funktion, außerdem spielen sogenannte Orientierungsreaktionen, die mit Aktivierungszuständen einhergehen, beim Aufbau bedingter Reflexe eine Rolle. Anfangs hatte man Schwierigkeiten, konditionierte Reflexe mit dem THORNDIKEschen Gesetz der Wirkung, das als Grundprinzip des Lernens betrachtet wurde, in Beziehung zu bringen. Erst BURRUS F. SKINNER (1935) schlug eine generelle Zweiteilung allen Verhaltens vor:

Eine Reaktionssubstitution nach THORNDIKE, die er als Wirkreaktion (operant behavior) bezeichnete. Den Vorgang der Erhöhung einer Auftretenswahrscheinlichkeit durch Bekräftigung, bezeichnete SKINNER als operante Konditionierung.

Eine Reizsubstitution nach PAWLOW. Diese Art des Verhaltens bezeichnete SKINNER als Antwortreaktion (repondent behavior). Eine schon bereitliegende Reaktion wird auf einen Reiz hin hervorgerufen. Das Erlernen neuer auslösender Reize geschieht aufgrund klassischen Konditionierens im Sinne PAWLOWS.

SKINNER lehnte jede Verwendung hypothetischer Konstrukte, jede Theoriekonstruktion, die über faktische wenn-dann-Beziehungen hinausging, ab. Selbst Motivationsbezeichnungen wie Hunger meidet er und spricht statt dessen von Deprivation, die operational an der Dauer des Nahrungsenzuges oder der Gewichtsabnahme bestimmt wird.

Von zwei hirnphysiologischen Entdeckungen wurden die aktivierungspsychologisch orientierten Forscher besonders angeregt.

Die erste Entdeckung betraf das ARAS - aufsteigendes retikuläres Aktivationssystem. Wie Moruzzi und Magoun (1949) gezeigt haben, führt eine elektrische Reizung der Retikularformation im Hirnstamm zu einer Änderung, zu Aktivierungsmustern, im Hirnstrombild (EEG). Mit ihnen ändert sich die Leistungstüchtigkeit des Verhaltens; und zwar in einer umgekehrt U-förmigen Funktion. Mittlere Aktivierungsniveaus sind am förderlichsten. Auch Emotionen und Affekte werden mit verschiedenen Aktivierungsniveaus in Verbindung gebracht.

Zum anderen durch die Entdeckung eines Bekräftigungs- oder Lustzentrum im Gehirn der Ratte. Wird es mit Hilfe eingepflanzter Elektroden gereizt, so lernen Ratten auch ohne vorherige Deprivation oder Triebreduktion solche Reaktionen, die der Reizung direkt nachfolgen.

Zum Abschluß der aktivierungspsychologischen Linie ist noch der englische Psychologe, HANS JÜRGEN EYSENCK zu nennen.

Er ist bisher in der Hauptsache als eigenschaftstheoretisch orientierter Persönlichkeitsforscher hervorgetreten, der hinsichtlich der von ihm verwendeten Methoden (Fragebögen , faktorenanalytische Analyseverfahren) R.B. CATTEL sehr nahe steht. Bekannt geworden sind seine beiden bipolaren personenbeschreibenden Typen: Extraversion vs Introversion und Neurotizismus vs emotionale Stabilität.

Die Dimension Extraversion vs Introversion führt er auf individuelle Unterschiede der Aktivierungsfunktion des ARAS zurück, wobei für Introvertierte ein höheres Aktivierungsniveau als für Extrovertierte postuliert wird. Die letzteren bauen konditionierte Reflexe langsamer auf.

Der anderen Dimension Neurotizismus vs emotionale Stabilität schreibt er den "Charkter des emotionalen Triebes" zu und führt sie auf Zentren des limbischen Systems zurück.
Damit gelingt ihm eine Vereinigung von persönlichkeits- und aktivierungspsychologischer Theoriebildung.

In der lernpsychologischen Linie der Motivationsforschung war und ist Lernen die vorrangige Fragestellung, d.h. die Anpassung des Lebewesens an veränderte Umweltbedingungen.

In der aktivierungspsychologischen Linie ist es die neuro- und psychophysiologische Funktionsanalyse des auf Reizstimulation reagierenden Organismus.

Dagegen beschränkt sich die assoziations-theoretisch orientierte Motivationsforschung auf organismische Bedürfnisse bzw. auf die ihnen entsprechenden Triebe oder primären Motive.