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Gewinnung empirischer Daten zur Beschreibung individueller Unterschiede

1. Voraussetzungen

Grundlage aller Persönlichkeitstheorien ist die Annahme, daß individuelle Differenzen bestehen und diese auch gemessen werden können (Pervin 1970, S. 71).

Reliabilität
Voraussetzung für die Reliabilität (Zuverlässigkeit) der Messungen dieser inter-individuellen Unterschiede, ist eine genau definierte Versuchsbedingung. Soll also ein individueller Unterschied für eine Person charakteristisch sein, muß dieser Unterschied in einer erneuten Realisation der Versuchbedingungen mit den Werten der vorhergehenden Meßreihen im wesentlichen korrelieren.

 

Standardisierung
Um vergleichbare und somit sinnvolle Meßwerte zu erhalten, ist es einleuchtend, daß die Standardisierung der Bedingungen eine grundlegende Voraussetzung ist.

Sensitivität und Robustheit
Ideale Methoden weisen sich als hoch sensitiv gegenüber den interessierenden Phänomenen und lassen somit eine maximale Variabilität des beobachteten Verhaltens zu. Gegenüber anderen (Stör-) Faktoren erweist sich eine ideale Methode robust.

Sinn von Meßwerten
Meßwerte erhalten erst im Bezug auf eine Theorie überhaupt Bedeutung wobei Empirie und Theorie sich wechselseitg anregen können und natürlich sollten.

2.1 Allgemeines zur Entwicklung von Verfahren

Ein Testverfahren ist der Versuch, über ausgewählte abfragbare Verhaltensweisen grundsätzliche Verhaltensbereitschaft festzustellen und somit Verhalten unter anderen Bedingungen zu erklären bzw. vorherzusagen. Hierbei dienen die ausgewählten Verhaltensweisen als Indikatoren für übergreifende Verhaltenskategorien wie Ängstlichkeit, Intelligenz, Extrovertiertheit etc.

Drei Grundmuster zur Konstruktion von Skalen ( Maßeinheiten )

1.  rationale Skalenkonstruktion
Bei dieser Konstruktion steht die Theorie am Anfang aus der ein Konstrukt gebildet wird. Danach werden Verhaltensweisen bestimmt, die als Indikatoren für das zu untersuchende Konstrukt dienen können.
z.B. Kostrukt : "Leistungsmotiviertheit" mögliche Indikatoren : Fleiß, Freude an der Arbeit, Ehrgeiz...

2.  kriterienorientierte Skalenkonstruktion
Bei diesem Verfahren handelt es sich um ein überwiegend statistisches Verfahren. Untersucht wird ein Kriterium in dem sich mindestens zwei Gruppen von einander unterscheiden z.B Geschlecht, Beruf ...
Verschiedene Items werden den Gruppen zur Bearbeitung vorgelegt. Diese werden dann daraufhin ausgewertet, ob bestimmte Items die Gruppen signifikat differenzieren. Derart gefundene Items selegiert und zu Skalen zusammengestellt. Diese Skalen funktionieren zwar, dürfen aber wegen der fehlenden theoretischen Grundlage jedoch nicht inhaltlich interpretiert werden !

3.  faktorenanalytische Skalenkonstruktion
Dieses Verfahren bedarf weder eines theoretischen Hintergrunds noch einer a priori Gruppenunterscheidung. Zwischen den Items werden "blind-analytisch" Korrelationen gebildet. Dieses Verfahren setzt verständlicherweise möglichst umfangreiche Items und repräsentative Stichproben voraus.
In der Praxis werden sich ergänzende Kombinationen der Verfahren verwendet. In der Regel wird der Item-Pool nach rationalen Kriterien konstruiert und dann durch die statistischen Verfahren bereinigt.

2.2      Tests im Leistungbereich

Die Objektivität bei Durchführung, Interpretation und Auswertung ist im allgemeinen sehr gut gewährleistet.
Die Reliabilität (Zuverlässigkeit = "sind die Werte situativ und zeitlich konstant?") ist mit der Korrelation rtt = .80-.90 des Meßwertes mit den Werten der Retestung befriedigend.

Hinsichtlich der Validität (Gültigkeit = "Mißt der Test auch wirklich das, was er messen soll?") läßt sich aufgrund der zahlreichen und sehr unterschiedlichen Verfahren keine konkrete Aussage machen.

 


 

Literatur : Gewinnung empirischer Daten zur Beschreibung individueller Unterschiede. In Amelang, M. & Bartussek, D. (1990), 3. Auflage Differentielle Psychologie und  Persönlichkeitsforschung, Kap. 2.3-2.3.2.2 Verlag W. Kohlhammer , Stuttgart Berlin Köln