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Bindungsstrategien und Emotionsregulation im Erwachsenenalter

Bindungstheorie – Bowlby (1969/1982, 1973, 1980)

Ihm ging es nicht wirklich um Emotion (nur: angstreduzierende Funktion enger Beziehungen, das Potential dysfunktionaler Beziehungen, negative Emotionen und im Extremfall psychopathologische Erscheinungsformen hervorzurufen)

Mit empirischem Wissen über das Bindungsverhalten kamen Unterschiede in der Emotionsregulation ans Licht – den Unterschieden in der Bindung entsprechen unterschiedliche Techniken der Emotionsregulation.

Grundlagen der Bindungstheorie


Kinder haben ein angeborenes Bindungsverhalten, d.h. sie suchen in der Not die Nähe zu Bindungsfiguren (Schutz vor Bedrohungen und Erleichterung von Ängsten). Wird am besten im frühen Kindesalter ersichtlich. Unterschiede in der Funktion des Bindungssystems, je nachdem, wie Bindungsfiguren sich verhalten (Unterstützung, Erreichbarkeit, Reaktionsfreudigkeit).


Optimal: Bindungssicherheit (Welt ist sicher, man kann exploratives Verhalten zeigen, Bindungsfiguren stehen zur Verfügung, wenn man sie braucht, Kontaktaufnahme zu anderen ist fruchtbar). Positives mentale Repräsentation von sich selbst und den anderen à positives inneres Arbeitsmodell.


Negatives inneres Arbeitsmodell: defensive, sekundäre Bindungsstrategien (primäre Strategie: Sicherheit suchen)


Hyperaktivation


nach Bowlby: Protest

extremes Streben nach Nähe zu Bindungsfiguren

klammern, kontrollieren, fordern

Suche nach Verschmelzung zur Einheit

Überabhängigkeit

Überempfindlich gegenüber Zurückweisung und Verlassenwerden


Deaktivation


Vermeidung von Bindungsverhalten, also keine Nähe suchen

Unterdrückung oder Herabwertung von Bedrohungen, die das Bindungssystem aktivieren könnten

Entschlossenheit, Probleme alleine zu lösen (zwanghaftes Selbstvertrauen, compulsive self-reliance)


Jeder hat einen individuellen Bindungsstil.

Verfestigtes Muster von Beziehungserwartungen, Emotionen und Verhaltensweisen, dem die Verinnerlichung einer bestimmten Geschichte von Bindungserfahrungen zugrunde liegt.

Individuelle Unterschiede in der Bindungsart sind auf zwei orthogonalen Dimensionen anzusiedeln: bindungsbezogene Vermeidung und Ängstlichkeit (attachment-related avoidance and anxiety).

à Vermeidung: Misstrauen, deaktivierende Copingstrategien

àAngst: Sorge darüber, dass Bindungsfiguren nicht verfügbar sein könnten, hyperaktivierende Coping-Strategien

Niedrige Ausprägung in beiden Dimensionen: Gefühl von Sicherheit, positive Bindungsgeschichte, sichere Bindung



Bindungsstrategien und Emotionsregulation

Bindungsstrategie: Art, mit der Aktivation des Bindungssystems umzugehen


Theoretischer Hintergrund

aktualisierte Version des Modells nach Shaver, Schwartz, Kirson und O‘Connor

basiert auf theoretischen Überlegungen und die Beschreibungen emotionaler Erfahrungen „gewöhnlicher Leute“

illustriert sowohl Emotionen als auch emotionale Entwicklung



Wahrgenommene Veränderung oder Ereignis in der internen oder externen Welt



Bewertung des Ereignisses entsprechend Zielen, Wünschen und Befürchtungen

Emotions-bezogene Gedanken und Handlungstendenzen (sowie die Physiologie dahinter)



Äußerungen. Gedanken, Verhalten und subjektive Gefühle



Emotionsregulation








Veränderung: persönlich relevant, meistens unerwartet/überraschend

Emotionsregulation: Bewertungen, Befürchtungen, Handlungstendenzen und subjektive Gefühle hemmen, abändern oder unterdrücken


spezielle Emotionen: werden durch bestimmte Muster von Befürchtungen und Bewertungen hervorgerufen. Ein bestimmtes Bewertungsmuster zieht die entsprechende Emotion nach sich, inklusive evolutionär sinnvolle Handlungstendenzen und physiologische Begleiterscheinungen



Problemlösungsansätze

* Auslöser abändern oder beenden
* Umbewertung/Neueinschätzung der Situation à beruhigen oder von Problemlösung absehen, da nichts geändert werden kann
* Regulation der Emotion selbst (+ physiologische Begleiterscheinungen), d.h. Verhinderung des Bewusstwerdungsprozesses
* Blocken der emotionalen Reaktion nach außen


Sichere Bindung und konstruktive Emotionsregulation

erleichtert sicherheitssuchende Bindungsstrategien à Erleichterung von Anspannungssituationen, Aufrechterhalten von funktionierenden Beziehungen, persönliche Anpassungsfähigkeit durch konstruktive, flexible und realitätsabgestimmte Copingverfahren

Gelassenheit, mehr Kapazitäten und Perspektiven, Stressresistenz, Gefühl von persönlicher Effizienz, Belastbarkeit, Optimismus, keine Abhängigkeit von Bindungsfiguren


Instrumentelle Problemlösungsstrategien (nicht palliativ!) – Situationen analysieren, effektive Strategien planen, hinderliche Gedanken oder Handlungen blockieren

holen sich soziale Unterstützung à bei Problemlösung helfen oder unterstützen des „bedrohten“ Individuums


sichere Bindung beruht auf positiven Kindheitserfahrungen mit den Eltern (gaben Hilfestellung, vermittelten Selbstbewusstsein, waren anwesend, positives Ergebnis)


wesentliche Einsichten, vermittelt durch fruchtbare Interaktion mit den Bindungsfiguren:

- man selbst kann Probleme lösen, Selbsteffizienz

- andere um Hilfe fragen ist sinnvoll

- können Fehler einsehen und konstruktiv mit Kritik umgehen

- offen für neue Informationen und flexible Anpassung an umweltbedingte Gegebenheiten à angstfreie explorative Lösungssuche, Aushalten von Ambivalenzen und Unsicherheiten

- Fähigkeit zur Umdeutung einer Situation ins „Gutartige“: Bedrohung à Herausforderung, unerwünschte Ereignisse werden auf kontrollierbare, temporäre oder kontextabhängige Ursachen zurückgeführt

à tief verwurzelte, positive Ansichten von sich und der Umwelt im inneren Arbeitsmodell


Sicher gebundene Individuen müssen den Emotionsprozess nicht unterdrücken, sie stehen zu ihrer Emotion und lassen sie zu.

Emotionsregulation heißt bei sicher gebundenen Individuen nicht, die Emotion zu vermeiden oder zu verleugnen, es heißt lediglich, dass negative Affekte temporär toleriert werden können, bis man die Kontrolle über bedrohliche oder frustrierende Situationen zurückgewonnen hat.

Sie nutzen die funktionalen, adaptiven Qualitäten von Emotionen und weichen den dysfunktionalen, hinderlichen Aspekten aus.

Äußerungen von negativen Emotionen führten in der Kindheit mit spannungslösendem Verhalten seitens der Bindungsfiguren – d.h. man lernt, Anspannung auszudrücken, ohne dadurch die Beziehung zu gefährden.


Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren – d.h. eigene mentale Zustände wahrnehmen, darüber nachdenken und sie zu verstehen. Dies erleichtert das Erkennen nützlicher Aspekte von Emotion und die Integration von Emotion in das Selbstbild.

So entsteht diese Fähigkeit: Bindungsfigur reflektiert über die mentale Erfahrung des Kindes und übersetzt sie in eine Sprache, die das Kind verstehen kann. Das Kind unterliegt daher der Illusion, dass der Reflexionsprozess von ihm selbst ausging. Das ist die Grundlage für die Reflexionsfähigkeit.


Vermeidende Bindung und die Hemmung emotionaler Erfahrung

Bestreben, Schmerz und Bedrängnis zu unterdrücken, die durch Frustration (verweigerte Nähe) entstehen (Verhinderung schmerzhafter Aktivation des Bindungssystems). Zu kühle, distanzierte Bindungsfiguren.

Hauptsächlich unterdrückte Emotionen: Angst, Unsicherheit, Ärger, Traurigkeit, Schamgefühl, Schuld und Bedrängnis/Anspannung (à Gefühle der Verletzlichkeit, Ärger als Zeichen der emotionalen Verwicklung in eine Beziehung)


- spielen Bedrohungen herunter

- machen sich keine Gedanken über die Verfügbarkeit einer Bindungsfigur, weil das Fokussieren auf Bedrohung des Bindungssystem aktiviert

- Überbetonung der Selbstständigkeit und Selbsteffizienz, Abwertung der Intimitäts- oder Unterstützungsbedürfnisse anderer Leute

- können nicht damit umgehen, evtl. etwas falsch gemacht zu haben (das muss man im Problemlösungsprozess aber können), denn das stellt ihr Überlegenheitsgefühl in Frage – blockieren Information, die Unsicherheit/Verwirrung oder Hilfsbedürftigkeit mit sich bringt

- binden sich nicht stark an Bindungsfiguren bzw. denken nicht über sie nach, regeln ihre Emotionen in diesem Bereich herunter

- vermeiden Emotion generell: keine Aufmerksamkeit für emotionsbezogenes Material, Unterdrückung von emotionalen Gedanken, Unterdrückung von emotionalen Handlungstendenzen, Hemmung oder Verdeckung emotionaler Äußerungsformen


Haben gelernt, dass das Zeichen von Schwäche bzw. das Suchen von Nähe zu Zurückweisung oder Bestrafung führt.


Mit der Zeit wirkt sich dieses vermeidende Verhalten auch auf Wahrnehmungen und Erinnerungen aus (Experimente beweisen das).



Bindungsambivalenz und die Intensifizierung unerwünschter Emotionen

- Sehen negative Emotionen unter dem Aspekt, dass sie zu den Bindungszielen verhelfen.

- Tendieren dazu, sie aufrecht zu erhalten und zu übertreiben.

- Von dem unerfüllten Wunsch getrieben, die Aufmerksamkeit von Bindungsfiguren zu erregen.

- Erhalten das Bindungssystem chronisch aktiviert (Hyperaktivation).

- Überbetonen ihre Verletzlichkeit und Hilflosigkeit.

- es geht ihnen nicht um Problemlösung – zu viel Kompetenz könnte zu einem Aufmerksamkeitsverlust führen

- schreiben Bedrohungen unkontrollierbaren Ursachen umfassenden persönlichen Unzulänglichkeiten zu

- Aufmerksamkeit wird auf physiologische Prozesse gelenkt, die Aufregung/Anspannung anzeigen

- erinnern sich in erhöhtem Maße an bedrohliche Erfahrungen

- grübeln ständig über weitere mögliche Bedrohungen

- treffen Entscheidungen, die sie in die Klemme bringen bzw. die sie zum scheitern verurteilen

- ein negativer Gedanke aktiviert zahlreiche andere, selbst wenn die Bedrohung bereits verschwunden ist – die Aktivierung eines kognitiven Knotens bringt die Aktivierung zahlreicher anderer mit sich, die im Arbeitsspeicher hochgradig präsent werden – dies verschleiert eine differenzierte Wahrnehmung dessen, wie gefährlich die aktuelle Situation wirklich ist

- permanente Selbstverstärkung


Zu so einem Verhalten kommt es durch Erfahrungen von Zurückweisung bzw. inkonsistenter Zuwendung in der Kindheit, allerdings werden diese Erfahrungen übergeneralisiert und überbewertet.


Ambivalent gebundene Menschen konzentrieren sich auf die bedrohlichen Seiten der Emotion, anstatt ihre potentiell funktionalen Aspekte zu nutzen.


Verstärkung durch die Tatsache, dass die Hyperaktivation des Bindungssystems manchmal dazu führt, die Aufmerksamkeit des Beziehungspartners zu erlangen. Solang es manchmal funktioniert, versuchen sie es immer wieder auf diesem Weg hervorzurufen.


Die Tatsache, dass diese Personen immer wieder fallen gelassen werden, gibt ihnen eine Art Sicherheit – da sie immerhin die Welt richtig vorhersagen können, selbst wenn es schmerzt.



Empirische Beweise für bindungsbezogene Unterschiede in der Emotionsregulation

Bindungssicherheit à konstruktive Emotionsregulation

Bindungsvermeidung à emotionale Hemmung

Bindungsambivalenz à Intensifizierung von Spannungszuständen



Stress

Bindungsambivalenz:

Spannungsintensifizierende Bewertungen der Situation


Vermeidene:

weniger Konsistenz

meiste Studien: Bewertungsmuster ähnlich dem sicher gebundener Leute

aber manche Studien: eher pessimistisch, spannungsintensifizierend, wenn unverhinderbare, unkontrollierbare traumatische Ereignisse

starker und andauernder Stress lässt vermeidende Individuen wirken wie ambivalente, da ihre typischen Copingstrategien nicht mehr ausreichen

dies bestätigt den Zusammenhang zwischen vermeidenden und ambivalenten Individuen insofern, als beide auf Unsicherheitsgefühle gegenüber den Bindungsfiguren reagieren


Abstumpfung der Wahrnehmung durch Ablenkung/Ignorieren von Bedrohungen



Turan, Osar, Turan, Ilkova & Damci, 2003

Diabetiker, die vermeidend gebunden waren, gaben an, sich in ihrem Umgang mit der Krankheit eher auf kognitive Distanz und passive Resignation zu berufen – sie hielten ihre medikamentöse Behandlung schlecht ein



Bindungssicherheit à unterstützungssuchendes, problemfokussiertes Coping

Bindungsambivalenz à emotionsfokussiertes Coping

Bindungsvermeidung à distanzwahrendes Coping


Der Bindungsstil bleibt konstant (wurde in Längsschnittstudien gezeigt, Zhang, Labouvie-Vief, 2004), aber er variiert mit der mentalen Gesundheit

mehr Bindungssicherheit – mehr problemfokussiertes Coping – Wohlfühlen – weniger vermeidendes Coping – weniger depressive Symptome

Berant et al, 2001


signifikanter Zusammenhang zwischen vermeidender Bindung und emotionsfokussiertem Coping

à vermeidende Mütter greifen zu distanzierendem Coping, wenn sie ein gesundes Kind geboren hatten, aber wenn ihr Kind einen lebensbedrohlichen Herzfehler hatte, wechselten sie zum emotionsfokussiertem Coping

à vermeidende Strategien reichen bei kleineren Stressoren aus, aber sie reichen nicht bei ernsthaften und lang anhaltenden Stressoren

à vermeidende Leute können Bedrohungen nicht unendlich von ihrem Bewusstsein fernhalten – traumatische Ereignisse können verdrängtes wieder auf den Plan bringen



Bedrohungen auf der Beziehungsebene

Unterschiede in der Unterdrückung von Trennungsängsten


Fraley und Shaver (1997)


Vpn sollten einen spontanen, fließenden Text darüber schreiben, was sie gerade dachten und fühlten und sollten dabei den Gedanken unterdrücken, von ihrem Partner wegen jemand anderem verlassen zu werden.


Fähigkeit, diese Gedanken zu unterdrücken, wurde gemessen mit der Häufigkeit, in der Trennungsgedanken im Bewusstseinsstrom der Vpn auftauchten.

zweite Studie: Messung der physiologischen Erregung (Hautleitung) – je geringer die Erregung, desto besser die Fähigkeit, Trennungsgedanken zu unterdrücken


Bindungsambivalenz: schlechtere Fähigkeit zur Unterdrückung

Bindungsvermeidung: hoher Unterdrückungsgrad


Gillath, Bunge, Shaver, Wendelken & Mikulincer, 2005


Man sieht die Unterschiede in der Bindungsart auch an der Hirnaktivität, wenn Leute an Trennungen und Verluste denken bzw. wenn sie diese zu unterdrücken versuchen.


Mikulincer, Dolev, Shaver (2004)


Stroop-Test: kognitiver Zugang zu vormals unterdrückten Gedanken an eine schmerzhafte Trennung wurde getestet. Vmtl. sollten die Vpn angeben, wie es ihnen während dem Test ging.

Bindungsvermeidend: Gedanken unterdrückt, Zugang erschwert, eigene positive Charakterzüge mehr im Vordergrund – allerdings Änderung, wenn sie zusätzlich eine siebenstellige Zahl erinnern sollten (hohe kognitive Anforderung), unter diesen Umständen guter Zugang zu Trennungsgedanken und negativen Charakterzügen an sich selbst – vmtl. ähnliche Ergebnisse bei hoher emotionaler Anforderung


Fraley et al. 2000


Frage: funktionieren deaktivierende Strategien präventiv (Aufmerksamkeit weglenken von bindungsbezogenen Bedrohungen – oder eben sehr schwache Enkodierung davon) oder erst im Nachhinein (Unterdrückung von enkodiertem Material)


Vpn hörten sich ein Interview über beziehungsbezogene Bedrohungen an und sollten Details davon wiedergeben, entweder direkt danach oder im Abstand von einer halben Stunde bis hin zu 21 Tagen


Analyse der Vergessenskurven: Vermeidende Individuen enkodierten weniger Informationen als weniger vermeidende Individuen – beide Gruppen vergaßen gleich schnell

à vermeidende Strategien funktionieren präventiv



Todesangst

un- oder vorbewusste Indikatoren der Todesangst über thematischen Apperzeptionstest (TAT) (Mikulincer et al. 1990)

auch: Nummer todesbezogener Worte, die eine Person während einer Wortvervollständigungs-Aufgabe produziert (Mikulincer & Florian 2000, Mikulincer, Florian, Birnbaum, Malishkevich, 2002)


Bindungsambivalenz: erhöhte Todesangst sowohl auf bewusster und unbewusster Ebene

erhöhter Zugang zu todesbezogenen Gedanken, selbst wenn kein Reiz vorhanden war


Bindungsvermeidung: Diskrepanz zwischen den bewussten Angaben und den unbewussten Dynamiken – geringe angegebene Todesangst, aber viel todesbezogener Inhalt im TAT


Bindungssicherheit: reagierten auf Sterblichkeitsreize mit vermehrten symbolischen Unsterblichkeitsgedanken (Mikulincer & Florian, 2000) – transformierende, konstruktive Strategie à man kann der Nachwelt etwas hinterlassen

außerdem erhöhtes Bedürfnis nach Intimität (Mikulincer, Florian, 2000) und erhöhte Bereitschaft zu sozialer Interaktion angesichts der Sterblichkeitsreize (Taubmann Ben-Ari, Findler & Mikulincer, 2002)


Bindungsvermeidung & Bindungsambivalenz:

strengere Urteile und Bestrafungen für unmoralische Handlungen anderer (Mikulincer, Florian, 2000)

à festklammern an die kulturelle Welt und defensive Erhöhung des Selbstwertes.

Ambivalente: Art, Liebe und Akzeptanz von anderen Gruppen(Kultur-)mitgliedern zu erhalten

Vermeidende: Selbstkompetenz, Kontrolle

(Hart, Shaver & Goldenberg, 2005)



Ärger

Bindungssicherheit:

optimistische Erwartungen an die Reaktionen des Partners während Ärgerepisoden

reagieren auf den Partner nur mit Ärger, wenn es klare Hinweise auf seine böse Absicht gibt

fokussieren auf Problemlösung in der Beziehung mit dem Unruhestifter

Ausdruck von Ärger auf eine kontrollierte und nicht feindliche Art und Weise


Bindungsambivalenz:

negative Erwartungen bzgl. der Reaktionen des Partners auf geäußerten Ärger

reagieren ärgerlich und mit Feindseeligkeit, auch wenn kein Hinweis auf böse Absichten hinsichtlich des Partners besteht

Empfänglich für intensives Ärgergefühl, ständiges Grübeln über diese Gefühle


Bindungsvermeidung:

Dissoziierter Ärger (Mikulincer 1998b)

Berichten nicht über intensive Ärgergefühle, zeigen aber erhöhte Feinseeligkeit und physiologische Erregung

Zeigen sogar Feindseeligkeit, selbst wenn es klar ist, dass der Partner es nicht böse gemeint hat

Distanzierende Copingstrategien, anstatt den Ärger konstruktiv zur Verbesserung der Beziehung zu nutzen


Unsicher gebundene Leute:

Höhere Feindseeligkeit gegenüber Freunden

Mehr gewalttätige und feindseelige Geschichten beim TAT (Woike, Osier, Candela 1996)

Beziehungsaggression bei Bindungsambivalenz

Dysfuktionelle Natur des Ärgers unsicher gebundener Individuen


Kobak et al., 1993

Simpson, Rholas & Phillips, 1996

Vpn-Paare sollen Probleme in ihrer Beziehung finden und in einer Diskussion versuchen, sie zu lösen.

Kobak et al.: Maßen Bindungsmuster mit dem AAI und konzentrierten sich auf Teenager und ihre Mütter

Simpson et al. benutzten Aussagen der Vpn über sich selbst bzgl. der Bindungsmuster und konzentrierten sich auf Beziehungspartner


à Bindungsunsicherheit, insbesondere –ambivalenz, verhindert emotionales Gleichgewicht in interpersonellen Konflikten und ruft Ärger gegenüber dem Partner hervor, weniger Kooperationsbereitschaft


Zimmermann, Maier, Winter & Grossmann, 2001

Beobachtung von Ärgerreaktionen, während Vpn eine frustrierende, schwere, kognitive Übung vollführten (allein oder mit der Hilfe eines Freundes)

Messung des Bindungstyps über den AAI


Bindungssicherheit:

funktionaler Ärger, d.h. je mehr sie ihrem Ärger Raum gaben, desto besser war die Leistung


Bindungssunsicherheit:

dysfunktionaler Ärger à schlechtere Leistung

mehr Unruhe stiftendes Verhalten dem Freund gegenüber (z.B. Zurückweisung der Vorschläge des Freundes)

Ärger zerstört/hemmt sowohl die Beziehung als auch die Leistung


Rholes, Simpson, Orina, 1999

Frauen wurde gesagt, sie würden etwas beängstigendes tun müssen und wurden gebeten, mit ihrem Beziehungspartner auf diese Aktivität 5 min zu warten

Schutzsuchende: Frauen

Schutzbietende: Männer

Paare wurden gefilmt

Nach der Warteperiode wurde der Frau gesagt, dass es doch keine beunruhigende Aktivität geben würde und dann wurden sie noch einmal 5 min während der „Erholungsphase“ gefilmt


Vermeidend gebundene Frauen: stärkerer Ärger gegenüber dem Partner, besonders wenn die Frau angespannt war und von ihrem Partner relativ wenig Stütze erhielt

à Vertrauensdefizit gegenüber dem Partner ruft Enttäuschung hervor und führt zu Ärger, während sie Schutz suchen

Vermeidend gebundene Männer: stärkerer Ärger, besonders wenn ihre Frau angespannt war

à Selbstbewusstseinsdefizit, was es angeht, sich um die Frau zu kümmern, äußert sich in Ärger


Ambivalent gebundene Frauen: stärkerer Ärger gegenüber dem Partner, besonders wenn sie sich mehr Unterstützung gewünscht hätten

à fehlendes Vertrauen in die Unterstützung durch den Partner führt zu Ärger, aber erst, wenn die Bedrohung weg ist und die Unterstützung nicht gebraucht wird – starkes Bedürfnis nach Unterstützung führt zur Unterdrückung des Ärgers (genau wie bei den Babys, die allein gelassen wurden!)


Eifersucht

Bindungssicherheit:

weniger eifersüchtig, milde Reaktionen, weniger Eifersuchtsgedanken, diskutieren offen ihre Gefühle, um die Beziehung zu verbessern


Bindungsambivalenz:

intensive Eifersucht in dysfunktionaler Ausprägung

sehr misstrauisch und sorgenvoll

Feindseeligkeit gegenüber dem Partner, Überwachungsaktionen

Angst, Schuld, Scham, Traurigkeit, Ärger


Bindungsvermeidung:

am wenigsten Versuche, die Beziehungsqualität zu erhöhen

wollen nicht über das Problem reden

sehen über eifersuchtsauslösende Ereignisse hinweg

deaktivierende Strategien führen zum Abkühlen und zur Auflösung der Beziehung



Kognitive Verfügbarkeit emotionaler Erfahrungen

Mikulincer, Orbach, 1995


Untersuchung emotionaler Erinnerungen


Vpn sollten sich an frühe Erfahrungen von Ärger, Traurigkeit, Ängstlichkeit oder Glück erinnern

Die Zeit, die sie brauchten, um sich zu erinnern, war der Maßstab für die kognitive Verfügbarkeit der Emotionen


Vpn bewerteten auch die Intensität der erinnerten und damit assoziierten Emotionen bei jeder Erinnerung


Vermeidend:

am wenigsten Verfügbarkeit

bewerteten fokale Emotionen (Trauer beim Erinnern an ein trauriges Erlebnis) und nonfokale Emotionen (Trauer beim Erinnern an ein ärgerliches Erlebnis) als weniger intensiv als sicher gebundene Individuen

konnten sich schwer negative Erinnerungen hervorrufen, sehr grobe Beschreibungen des Erinnerten


Ambivalent:

beste Verfügbarkeit, schnellstes erinnern

sehr starke fokale und nonfokale Emotionen, wenn sie sich an Trauer, Ärger und Angst erinnern sollten à umgreifende Aktivation bei negativen Gedanken


Sicherheit:

lagen zwischen vermeidend und ambivalent


Dozier & Kobak, 1992


Studie über die Konkordanz zwischen bewussten Selbstaussagen über emotionales Erleben und unbewusste, automatische Äußerungen dieser Emotionalität


Vermeidend:

Wenige negative Gefühle während der Befragung, aber hohe physiologische Erregung, während sie über ihre Beziehung zu den Eltern sprachen


Spangler & Zimmermann, 1999

Reaktionen auf emotionale Filmszenen


Vermeidend:

größere Diskrepanz zwischen ihrer Bewertung der emotionalen Qualität einer Szene und der verdeckten Reaktion auf diese Szene (gemessen mit Elektromyographie der Lächel- und Stirnmuskulatur) als bei sicher gebundenen

Die Stirnmuskulatur vermeidender Leute war immer auf geringem Level aktiviert, egal, was sie sahen


Zimmermann et al, 2001


Ausweitung der Ergebnisse auf die Erfahrung von Ärger und Trauer während einer Problemlösungsaufgabe


Vermeidend:

größere Diskrepanz zwischen Selbstberichten und Gesichtsausdrücken (als sicher gebundene)


Niedenthal, Brauer, Robin, Innes-Ker, 2002


computeranimierte Videos, die ein Gesicht zeigten

zeigte zuerst einen bestimmten emotionalen Ausdruck und änderte sich dann graduell zu einem anderen

Vpn mussten das Display stoppen, wenn der anfängliche Ausdruck gerade verschwunden war


ängstlich-vermeidende Individuen: (hohe Punktzahl sowohl bei vermeidend als auch bei ambivalent)

dachten, die Emotion wäre früher verschwunden, als sicher gebundene Individuen

d.h. sie erhalten den Enkodierungsprozess emotionaler Stimuli länger aufrecht

zusätzliche spannungsfördernde Bedingung: Leute agierten wie ambivalent gebundene à Erhöhung der Bedrängnis führt dazu, dass sie sich nicht mehr ausreichend von emotionalen Stimuli distanzieren können


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sicherheitsbasierte Strategien setzen bei der Generation von Emotionen an, also am Ende – erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Emotionen funktionale, konstruktive Effekte haben

antecedent-focused emotion regulaton


vermeidende Strategien setzen bei der Erfahrung, also Enkodierung von Emotion an, sowie am Ausdrucksende

response-focused emotion regulation (Gross 1999)

ambivalente Strategien wirken sich intensivierend auf alle Teile des Emotionsprozesses aus.